Ich wohne seit November 2024 in Lüben. Da alles so neu für mich war, durfte ich in der Anfangszeit nicht raus. Fand ich auch am Anfang gut, aber irgendwann muss man ja mal wieder durch das Dorf streifen und neue Freunde finden. Meine Zweibeiner haben mir dann eine Katzenklappe gekauft und ich konnte frei entscheiden, wann ich ein bisschen auf Tour gehen möchte. Fand ich echt toll und habe so meine eigene Routine entwickelt. Ich bin dann immer am Abend raus gegangen und pünktlich zum „Guten-Morgen-Kaffee“ erschien ich wieder zu Hause – manchmal auch zwischendurch zum Stärken (ich hab so einen tollen Futterautomaten) und dann ging es wieder raus.
Und dann kam die Nacht vom 21.03.2025 auf den 22.03.2025. Diese Nacht sollte mein Leben, aber auch das Leben meiner Zweibeiner vollständig ändern und auf den Kopf stellen.
Es begann alles wie immer: Meine Menschen haben es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht und ich war gestärkt und ausgeschlafen. Also beschloss ich mal wieder ein bisschen auf Erkundungstour zu gehen. Es war schön und hat wirklich Spaß gemacht. Plötzlich spürte ich einen stechenden Schmerz in meinem Bein und konnte das Bein auch nicht mehr belasten. Also habe ich mich irgendwie nach Hause geschleppt und mich auf’s Sofa gelegt. Ich stand so unter Schock, dass ich mich an den Weg gar nicht mehr erinnern kann. Es tat so höllisch weh. Um 7 Uhr kamen meine Menschen auch schon zum Kaffeetrinken und wunderten sich schon, dass ich schon da bin. Sie merkten, dass etwas nicht stimmt, dachten aber wohl das ich mich nur vertreten habe und den Innenschenkel aufgeschürft habe. Als es dann Montags noch nicht besser war, sind die beiden mit mir zum Tierarzt gefahren und ich wurde geröntgt. Mein Bein war gebrochen und ich hatte etwas komisches metallisches oberhalb vom Knöchel stecken. Die Tierärztin sagte uns, dass wir in die Klinik müssen, damit mein Beinchen geschient wird. Hier hatten wir auch schon am nächsten Tag einen Termin. Ich wurde nochmal geröntgt und auch direkt operiert. Davon habe ich zum Glück nicht viel mitbekommen, aber die Zweibeiner waren ziemlich geschockt: Ich hatte ein Projektil im Bein stecken. Dieses ist wohl auf der Oberschenkelinnenseite eingedrungen, zerschlug meinen Knochen und blieb dann auf der abgewandten Seite oberhalb meines Knöchels stecken. Jetzt war mir auch klar, woher diese unerträglichen Schmerzen kamen.
Am Mittwoch wurde ich dann wieder abgeholt und durfte nach Hause. Echt blöd mit so einem Trichter auf dem Kopf. Herrchen ist dann auch gleich zur Polizei und hat Strafanzeige und Strafantrag gestellt, das Projektil und ein paar Bilder der Polizei übergeben.
Wir dachten ja jetzt wird alles gut, aber weit gefehlt. Das Projektil hatte soviel Schmutz, Haare und Bakterien in meinem Beinchen verteilt und obwohl in der Tierklinik alles gut gespült wurde, hatte sich doch eine Infektion eingenistet und obendrein hatte ich auch mit einer Nekrose zu kämpfen. Nun ja, was soll ich sagen, nach ein paar Tagen ist die komplette Wunde wieder aufgeplatzt. Und ich musste nochmal operiert werden. Es war noch immer nicht klar, ob ich nicht doch noch mein Bein verliere. Herrchen und Frauchen waren bereits jetzt schon am Ende, aber trotz allem haben die beiden sich so toll um mich gekümmert und waren für mich da. Sie haben mir so viel Kraft gegeben, dass ich einfach nicht aufgeben konnte und auch nicht durfte.
Nach ein paar wenigen Tagen hatte ich ein déjà-vu. Die Narbe war schon wieder aufgegangen und wir mussten wieder in die Klinik. Aber ich kannte ja das Prozedere schon: einschlafen und benebelt wieder aufwachen. An die Schmerzen hatte
ich mich ja schon fast gewöhnt – trotz Schmerzmittel. Dieses mal hatte ich dann einen wunderschönen Verband am Bein. Das Hoffen und Bangen ging wieder weiter und dann war da auch noch die Angst, dass womöglich schon wieder alles
von vorne losgeht. Der Tierarzt in der Klinik sagte mir, es sei die letzte Chance. Wenn es jetzt nicht hält, müssen sie mein Beinchen amputieren. Ich war geschockt und hatte unsagbar große Angst.
Ich musste jetzt alle zwei Tage zum Verbandswechsel und zur Wundkontrolle. Es war für mich und auch für meine Zweibeiner immer eine sehr große Belastung, wir wussten ja nie, wie es unter dem Verband aussieht und hatten wirklich Angst, dass die Wunde nicht heilt.
Beim dritten Verbandswechsel ist uns das Herz fast stehen geblieben… Wegen dem Verband hatte ich auf einmal ein große offene Wunde in der Kniekehle und die Naht war schon wieder ein Stück auf. Ich kann Euch sagen, ich hatte so Angst. Meine Zweibeiner wollten aber auch Nummer sicher gehen und sind mit mir am nächsten Tag nochmal in die Klinik gefahren. Da gab es dann ein Stück weit Entwarnung. Aber ich sag Euch, in der Nacht davor haben wir alle Drei vor Angst und Sorge kein Auge zugemacht.
Jetzt trage ich Socken über der Wunde, dass ich da bloß nicht dran komme und wir müssen abwarten, dass alles so abheilt. Also weiter Daumen drücken!
Über den weiteren Verlauf werde ich über meinen Blog berichten.
Alles liebe, Euer Nando